WiSe 2022/2023: Vorlesung mit Übung – Goethe: West-östliche Dichtungen

Wann: mittwochs, 10:15 – 11:45 Uhr

Beschreibung:

    Auf die zunehmende Herausbildung nationaler, ja nationalistischer Tendenzen in Politik und Kultur seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts reagiert Goethe bekanntlich mit der Proklamation einer „Weltliteratur“ – für die er mit dem West-östlichen Divan, seinem umfangreichsten und von essayistischen Kommentaren begleiteten Gedichtband – er sogleich eines der eindrucksvollsten und provozierendsten Beispiele vorlegt. Diese poetische Entdeckung der muslimischen Kulturen Persiens und Arabiens hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Ihr folgt in Goethes Spätwerk die Hinwendung zur bis dahin fast unbekannten Kultur Chinas. In dem kleinen Zyklus Chinesisches und den sehr viel berühmteren Chinesisch-deutsche Tages- und Jahreszeiten erkundet Goethe in seinen letzten Lebensjahren noch einmal neue Möglichkeiten einer Literatur, die zwischen den Sprachen und Kulturen einer zunehmend globalisierten Welt vermittelt. Teil des Seminars sind Exkursionen zu den Entstehungsorten der Texte (ins Frankfurter Goethe-Haus und nach Weimar) als Blockveranstaltungen an Wochenenden (Samstag / Sonntag). Der genaue Seminar- und Zeitplan wird in der ersten Sitzung verabredet.

    Wichtig ist, dass in die Vorbereitung auf die Divan-Lektüre nicht nur die Gedichte, sondern auch die (trotz des sperrigen Titels überaus lesenswerten) Erörterungen von Goethes Noten und Abhandlungen zum Divan einbezogen werden.

    Zum Einlesen empfiehlt sich
    Heinrich Detering / Yuan Tan: Goethe und die chinesischen Fräulein. Göttingen 2018.